Werksiedlung

Gartenstadt in Garching a.d. Alz Gartenstadt Garching

Bedeutung

Die sogenannte SKW-Siedlung ist „aufgrund ihrer Gesamtanlage, der städteplanerischen und architektonischen Prägung, der sozialgeschichtliche Implikationen und des authentischen Überlieferungszustandes von bayernweiter Bedeutung und Gegenstand der bauhistorischen Forschung" ( Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege am 4.4.2005)

Zum ursprünglichen Konzept der Siedlung, die trotz ökonomischer Beschränkungen und rationalisierter Bauweise einen gehobenen Wohnstandard bot, gehören auch die Hausgärten, die anteilig jeder Wohnung zur Nutzung zugewiesen waren, und die darin paarweise oder in lockerer Reihung angeordnete Gartenhäuschen. Jede Wohnung war mit einem WC ausgestattet. Für 8 bis 12 Mietsparteien stand ein Bad zur Verfügung. Die Siedlung galt somit in der Zeit nach ihrer Fertigstellung als vorbildliche soziale Einrichtung.

Architekturzeichnung
1924 Architekturzeichnung von Paul Ricken, koloriert
Werks- und Schulbus der
Bayerischen Stickstoffwerke
1935 Werks- und Schulbus der Bayerischen Stickstoffwerke

Soziale Stadt

Am 8. Januar 1925 war es endlich so weit: Die Garchinger Schulkinder mussten nicht mehr täglich nach Engelsberg, Mauerberg oder Wald-Oberberg (so die Siedlungskinder) zu Fuß zur Schule gehen. Mit dem Anbau des Westflügels, der 1931 bezogen wurde, hatten die Garchinger Kinder die schönste und modernste Landschule im weiten Umkreis mit 8 Lehrsälen, Lehrer- und Lernmittelzimmer, Turnsaal, Aula, Suppenküche im Kellergeschoss, in dem auch noch die Gemeindekanzlei untergebracht war.

Sozial eingestellte Unternehmer schufen für damalige Verhältnisse komfortable und preiswerte Wohnungen für ihre Mitarbeiter. Sie bauten auch Schule und Turnhalle, die sie der Gemeinde zum Geschenk machten, später kam zur Anlage noch ein Schwimmbad hinzu.

Der Chemiker Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Dr. Ing. Nikodem Caro und der Baurat und Ingenieur Karl Janisch trugen wesentlich zur verantwortungsvollen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Gemeinde bei; Salvisberg, Caro und Janisch und wurden 1928 von der Gemeinde zu Ehrenbürgern ernannt. Das Geschenk des Erweiterungsbaus der Volksschule wurde Janisch gedankt durch die Bezeichnung "Karl-Janisch-Schule". Nikodem Caro musste aufgrund seiner jüdischen Abstammung emigirieren.

"Eine besondere Gestaltung leistete sich Salvisberg
in der südlichsten seiner Werkssiedlungen im oberbayerischen Garching.
Bei der Gruppierung der Reihenhäuser übernahm er die erprobten Grundsätze,
während er bei deren Gestaltung alpine Merkmale
wie weit vorragende Satteldächer über breitgelagerten
eineinhalbgeschossigen Häusern,
Wechsel von Putz- und Holzverschalung usw. vorsah. "
(Kristiana Hartmann, BLfD: "Von der Gartenstadt zur Gartensiedlung")

Die Gartenstadt

Die Gartenstadt ist ursprünglich ein in England von Ebenezer Howard entworfenes Modell der planmäßigen Stadtentwicklung als Reaktion auf die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse in den stark gewachsenen Großstädten Ende des 19. Jahrhunderts. Ziel die Eindämmung des unkontrollierten Wachstums der Metropolen mit einhergehender Verslumung der Innenstädte: Stattdessen sollten neugegründete Städte im Umland menschenwürdige Lebensbedingungen im Grünen bieten.

Die Gartenstadt-Idee fand auch in Deutschland großen Anklang. 1902 wurde in Berlin die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft (DGG) gegründet, die nicht als Baugesellschaft angelegt war, sondern wollte für die sozialreformerischen Idee der Gartenstädte eintreten sollte.

Nach dem 1. Weltkrieg kam es im Deutschen Reich zu Ernährungs- und Unterbringungsengpässen. Direkt nach dem Ersten Weltkrieg wurden nun an vielen Orten auf ehemaligem Ackerland mit geringstem baulichen Aufwand im Rahmen von Genossenschaftsmodellen Wohnsiedlungen erbaut, die den Menschen schnell günstigen Wohnraum und die Möglichkeit zur Selbstversorgung schaffen sollten.

Garten Sträubig
1930Gartenparzelle der Familie Sträubig

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